Der Knossos Palast und die Minoer

Aktualisiert: 8. Sept. 2021

Der Knossos Palast ist eine der beliebtesten, wenn nicht sogar die beliebteste Sehenswürdigkeit Kretas. Kein anderer Ort ist dem Mythos von König Minos und dem sagenumwobenen Minotaurus je so nahe gekommen wie diese Archäologische Ausgrabungsstätte der Minoer, nahe Heraklion. Aber wie nahe ist der Knossos Palast dem Minotaurus Mythos wirklich und welche Rolle spielten die Minoer in König Minos Geschichte?



Knossos Palast
Knossos Palast - Kreta

Über den Knossos Palast


Lass dir das mal auf der Zunge zergehen: Bereits 7.000 Jahre vor Christus siedelten sich die ersten Menschen aus Asien in Knossos an. Wahnsinn, nicht wahr? Heute findet man in Knossos die größte minoische Ausgrabungsstätte der Welt. Zahlreiche Ruinen von Tempeln, Arsenale, Wohnhäusern etc. (mit teilweise bis zu fünf Stockwerken!) lassen sich in Knossos erkunden.


Eintrittspreis: € 15,- (Kombiticket mit Archäologischem Museum € 20,-)

Aufenthaltsdauer: ca. 2 - 3 Stunden

Anfahrt: Erreichbar mit dem Bus oder Auto: 15 min Fahrzeit von Heraklion (Parkplatz kostenlos)



Die Ausgabungen in Knossos


Arthur Evans hat in Knossos seine Handschrift hinterlassen. Denn er war es, der die ersten strukturierten Ausgrabungsarbeiten in Knossos startete. Dabei stieß er auf die massiven Mauern der Minoer, welche auf den ersten Blick labyrinthartig angelegt waren. Evan kombinierte schnell und es dauerte nicht lange bis er sich mit dem Gedanken anfreundete, den Palast von König Minos gefunden zu haben.


Knossos Palast - Treppenabgang
Knossos Palast - Treppenabgang


Wer war König Minos?


Kurzer Exkurs: König Minos ist der berühmteste König von Kreta. Man kennt ihn aus der griechischen Mythologie aus der Geschichte von Theseus. Der gefürchtete König errichtete ein undurchdringbares Labyrinth auf Kreta, um darin den Minotaurus einzusperren. Ein Ungeheuer - halb Mensch, halb Stier.


Um König Minos bei Laune zu halten, mussten die Athener jedes Jahr einen schrecklichen Blutzoll an ihn zahlen. Sieben Jungen und sieben Mädchen wurden jedes Jahr in das Labyrinth auf Kreta geschickt und an den Minotaurus verfüttert. Eines Tages mischte sich jedoch Theseus darunter und tötete den Minotaurus im Labyrinth.



Rekonstruktionen in Knossos: Fantasiewelt von Evans


Evans war nahezu von dem Gedanken besessen, den Palast von König Minos in Knossos gefunden zu haben und dachte, ein Indiz nach dem anderen auszugraben. In den 30 Jahren, in denen Evans die Ausgrabungen in Knossos leitete wurden viele Gebäuden nach seinen Vorstellungen rekonstruiert. Wie wir heute wissen, ist viel davon nicht wahrheitsgetreu.


Palast von Knossos
Palast von Knossos

Die moderne Archäologie geht inzwischen davon aus, dass es in Knossos nie einen König Minos gab und Evans Theorie, auf das Fundament der Mythe rund um Theseus gestoßen zu sein, schlicht fehlinterpretiert war. Leider wurden bei den Rekonstruktionsarbeiten viele Flächen betoniert. Der antike Kern ist darum wohl oder übel verschollen, denn die betonierten Flächen können nicht mehr abgetragen werden.



Palast von Knossos - Moderne Erkenntnisse


Was bis heute in Knossos geblieben ist, ist dennoch eine imposante minoische Ausgrabungsstätte, die zurecht zu den beliebtesten Ausflugszielen Kretas gehört. Auf über 2 ha ließen sich in Knossos um die 800 Räume nachweisen. Trotz der fantasievollen Rekonstruktionen von Evan ist es auch heute im Knossos Palast noch möglich in die uralte Welt der Minoer einzutauchen.


Thronsaal - Knossos Palast
Der Thronsaal im Knossos Palast

Die Fresken im Thronsaal, wie auch an anderen Gebäuden ließ Evans rekonstruieren. Manche von ihnen entsprechen vermutlich nicht der Wahrheit. Wie auch das berühmte Fresko des Priester Königs von Knossos. Dieses war für Evans ein weiteres Indiz, den Palast eines Königs (Minos) gefunden zu haben.


Moderne Archäologen widerlegen die Theorie Evans gänzlich. Neueren Theorien zufolge, war eine der wichtigsten Funde Evans - der Thronsaal - kein Thronsaal, sondern vielmehr ein Tempel in dem höchstwahrscheinlich eine Priesterin minoische Rituale durchführte.


Das Zentrum des Knossos Palasts bildet, wie in allen minoischen Palästen, der Zentralhof. Hierhin führten alle Hauptwege innerhalb des Palasts. Mehrmals im Jahr trafen am Zentralhof die Einwohner aus allen Schichten zusammen, um Rituale und Feste abzuhalten.


Die Labyrinthartige Bauweise in Knossos erfolgte neuen Theorien zufolge Schritt für Schritt, da sich zunehmend eine gesellschaftliche Hierarchie bildete. Dementsprechend versuchte man, dass sich verschiedene Funktionäre und Eliten auf der Straße möglichst wenig begegnen.


In der labyrinthförmigen Anlage des Knossos Palast spiegelt sich also die gesellschaftliche Evolution der Minoer wieder. Der Minotaurus bleibt darum leider weiterhin eine Mythe.



Was sind Minoer?


Die minoische Kultur stellt die älteste Hochkultur Europas dar und findet in Kreta ihren Ursprung. Hier siedelten sich vermutlich Menschen aus den nahegelegenen Hochkulturen wie Ägypten, oder dem Nahen Osten an und entwickelten auf dem bronzezeitlichen Kreta ihre eigenständige Kultur.


Eindrücke aus Knossos - klick dich durch:



Zeitlich sind die Minoer in etwa der frühen bis späten Bronzezeit zuzuordnen (ca. 2.600 - 1.450 vor Christus). Bewundernswert ist, welche Techniken die Minoer bereits damals beherrschten, wie detailliert sie ihre Fresken gestalteten und töpferten.


Vor allem aber welche Bauwerke sie bereits errichteten. Auf Santorini wurde beispielsweise ein mehrstöckiges Haus freigelegt, indem eine installierte Toilette (inkl. Kanal) zu finden war.



Was zeichnete die Minoer aus? Wie konnten sie eine so große Kultur aufbauen?


Oft wird von den Minoern ein sanftes und friedliebendes Bild gezeichnet - dem war in Wahrheit keineswegs so. Zwar waren die Minoer sehr naturverbunden, allerdings lebten die Minoer ebenso eine harsche Krieger-Ideologie.


Ein Krieger zu sein bedeutete bei den Minoern, der Elite anzugehören. Eine dementsprechende Rolle spielte ergo der Krieg in der Gesellschaft. Die Seeflotte der Minoer zählte zu einer der stärksten ihrer Zeit.


Zu ihrer Blütezeit (ca. 2.000 - 1.200 vor Christus) waren die Minoer eine der mächtigsten Zivilisationen im Mittelmeer. Diese finanzierte sich auch durch die erstklassige Produktion und den Handel mit Waffen und Rüstungen.



Warum ging die minoische Gesellschaft zu Ende?


Bis heute kann man noch nicht ganz belegen, warum die minoische Zivilisation endete. Aktuellen Theorien zufolge endete die minoische Zivilisation aufgrund einer Kombination aus mehrerer Faktoren.


Einerseits herrschten auf Kreta ständige Erdbeben, welche die Minoer geschwächt haben dürften. Zudem kam es ca. 1.600 vor Christus zu einem katastrophalen Vulkanausbruch auf der Insel Thera (Heute Santorini).


Der Vulkanausbruch führte zu mehreren, gewaltigen Tsunamis, welche die Seeflotte und die Küstenregionen der Minoer nahezu ausradierten. Die Zerstörung hatte ein unvorstellbares Ausmaß. Einige Paläste u.a. Knossos blieben von dem Tsunami unversehrt und die Minoer bauten ihre Städte auch nach dem Vulkanausbruch wieder auf, wenn auch nicht mehr in ihrer vollen Stärke. Gegen Ende der Minoerzeit entstanden allerdings rivalisierende Hierarchien.


Die geschwächte Situation der Minoer erkannten andere Zivilisationen wie die Mykener (griechische Kultur der späten Bronzezeit), welche eine Invasion vom Festland starteten und Kreta eroberten.



Wo sind die bekanntesten Minoer Städte auf Kreta zu finden?


Auf Kreta lässt sich kaum ein Ort finden, an dem keine Wegemarkierung auf eine Minoer Ausgrabungsstätte verweist. Dabei sind viele dieser Schauplätze heute sogar noch unberührt. Die größten Ausgrabungsstätten sind folgende:


Knossos Palast - Heraklion Der bekannteste und größte Minoer Palast auf Kreta und Postkartenbild #1. Früher war der Knossos Palast ein mystischer Ort, da vermutet wurde, dem Fundament für die Mythe des König Minos bzw. Minotaurus gefunden zu haben.


Hier solltest du im Sommer unbedingt schon früh Morgens anreisen, denn ab 11:00 Uhr wirst du in Menschenmassen untergehen und nur wenig zu sehen bekommen.



Malia - Heraklion

Eintritt: €6,- pro Person (unter 18 Jahren kostenlos)

Anfahrt: Malia liegt mit dem Auto ca. 40 min von Heraklion entfernt

Parkmöglichkeiten: problemlos - direkt vor dem Ausgrabungsort


Eine große und nicht rekonstruierte Ausgrabungsstätte. Weniger bekannt und darum nicht so sehr überlaufen, wie der Knossos Palast.


Hier findest du die Ausgrabungsstätte in ihrem originalen Zustand. Für uns war Malia ein interessantes Erlebnis, da wir erstmals sehen konnten wie die Minoer organisiert waren.


Im letzten Abschnitt der Ausgrabungsstätte wirst du einen Stadtteil finden, an dem ausschließlich Handwerker gearbeitet haben. Jede Funktion hatte dabei ihre eigene Werkstätte.



Phaistos Palast Heraklion (nahe Matala)

Eintritt: €8,- pro Person (unter 18 Jahren kostenlos)

Anfahrt: Phaistos liegt mit dem Auto ca. 1,15 h von Heraklion entfernt

Parkmöglichkeiten: problemlos - direkt vor dem Ausgrabungsort


Der Pahistos Palast liegt an der Südküste und ist weitgehend unbekannt - auch in der Hauptsaison (2021) war bei unserem Besuch wenig los.


In Phaistos wird es dir am einfachsten fallen, in die Welt der Minoer einzutauchen. Die mächtigen Schauplätze an denen die Rituale der Minoer abgehalten wurden sind bis heute noch in einem sehr guten Zustand.


Ebenso wirst du durch die kleinen Gassen der Ruine geleitet, wobei du am "Kings House" und dem "Queens House" vorbeikommen wirst - zwei imposante Gebäude elitärer Minoer. Der Hafen von Phaistos lag vermutlich im nahegelegenen Matala (ca. 10km entfernt).



Palekastro

Palekastro ist eine weitere wichtige Ausgrabungsstätte, nahe Sitia, die wir bis Dato leider nicht besuchen konnten.



Dieser Artikel beruht auf unseren Besuchen der archäologischen Ausgrabungsstätten, (nicht wissenschaftlichen) Recherchen und Gesprächen mit Einheimischen. Solltest du einen inhaltlichen Fehler bemerkt haben, zögere also bitte nicht, uns im Chat oder per E-Mail darauf aufmerksam zu machen!

412 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen